Gastbeitrag Hundekot


Hundekot ist nicht nur lästig, es gehen auch Gefahren davon aus.

 

Das ESCCAP war freundlicherweise bereit Fachinformationen zu diesem Thema bereitzustellen:


 ESCCAP

 

Das European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP) ist eine internationale Vereinigung unabhängiger Tierärzte und Parasitologen. In Deutschland ist ESCCAP der Fachgruppe Parasitologie und parasitäre Krankheiten der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) angegliedert und arbeitet in enger Partnerschaft mit der Bundestierärztekammer (BTK), dem Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) sowie der Deutschen Gesellschaft für Kleintiermedizin (DGK-DVG). Eines der wichtigsten Ziele von ESCCAP ist es, sachlich fundierte Informationen zur Verfügung zu stellen, die Tierhaltern konkret helfen, ihre Hunde und Katzen - aber auch den Menschen - vor einem Befall mit Parasiten und dessen Folgen zu schützen.

 

Neueste Studien weisen darauf hin, dass sich Hunde und Menschen nicht vorrangig im Kontakt mit (anderen) Hunden mit Spulwürmern anstecken, sondern vielmehr in der Umwelt, also im Freien, im Garten, auf Spielplätzen, aber auch im eigenen Haushalt. Denn von infizierten Kothaufen können Wurmeiern auch über weite Strecken und lange Zeit überall hin verbreitet werden und letztlich auch mit den Schuhen in die eigene Wohnung getragen werden. Dies bedeutet, dass Hundehalter umdenken müssen. Zum Wohle ihres eigenen Vierbeiners, aber auch zum eigenen Schutz, dem anderer Hunde und anderer Menschen sollten sie wissen, welche Maßnahmen nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sinnvoll sind. Die wichtigsten Fakten und die Konsequenzen, die sich für Sie und Ihren Hund daraus ergeben, lesen Sie hier:

Warum soll ich aktiv werden?

So genannte „Hundespulwürmer“ können infizierte Hunde schädigen und vor allem bei Welpen und Junghunden zu Problemen führen. Gleichzeitig sind sie aber auch Zoonoserreger, können also auf Menschen übertragen werden und auch bei diesen unter bestimmten Umständen zu Infektionen sowie Erkrankungen führen. Dies verdeutlicht, weshalb es wichtig ist, dass ich mich als Hundehalter dem Thema „Spulwürmer“ widmen sollte. 

Was sind meine konkreten Ziele?

1.     Schutz des eigenen Hundes vor einem Befall mit Würmern und den gesundheitlichen Schäden durch Wurmbefall.

2.     Schutz der Umwelt vor einer Verunreinigung mit ansteckenden Wurmstadien, um

a.     andere Hunde sowie den eigenen Hund vor (wiederholten) Ansteckungen zu schützen,

b.     sich selbst und andere Menschen vor Ansteckungen zu bewahren,

c.     langfristig die (weitere) Ausbreitung von Würmern zu stoppen.

Welche Maßnahmen ein Hundehalter ergreifen kann, um diese Ziele zu erreichen, hängt von verschiedenen Faktoren ab, z. B. der Haltung und Ernährung seines Tieres, aber auch von der persönlichen Einschätzung der Risiken und dem individuellen Sicherheitsbedürfnis. Das heißt, es gibt kein Schema F, aber es gibt für jeden Hund und seinen Halter einen individuell sinnvollen Weg.

Was jeder tun Sollte!

Scheidet ein Hund mit seinem Kot Wurmeier aus, sind diese zunächst nicht ansteckend. Sie müssen in der Umwelt erst einmal einige Tage unter bestimmten Bedingungen „reifen“, um ansteckend zu werden. So erklärt sich zum Beispiel auch die neue Erkenntnis, dass zwar viele Hunde Wurmeier in ihrem Fell haben, diese aber dort meist nicht lang genug verweilen, um ansteckend zu sein. Nach der Reife sind die Spulwurmeier dagegen sehr widerstandsfähig und können über Monate, teils Jahre ansteckend sein. In dieser Zeit können sie durch Tiere, Menschen, Erde und Wasser nahezu überall hin weiter getragen werden und dort unabhängig von sichtbaren Kotspuren unsichtbar verweilen.

 

Die gute Nachricht also: Vom Hund geht ein geringeres Risiko aus als oft vermutet. Die schlechte Nachricht: Das Ansteckungsrisiko lauert in der Umgebung, also überall. Eine wichtige Aufgabe für Hundehalter ist es also, die Verunreinigung der Umwelt, aber auch des eigenen Haushaltes und Gartens zu verringern. Dafür ist eine Maßnahme entscheidend und die sollte von jedem Hundehalter gewissenhaft vorgenommen werden: Sammeln Sie den Kot Ihres Hundes stets und möglichst umgehend auf und entsorgen sie ihn in einem verschlossenen Plastikbeutel über den Hausmüll. Wichtig ist, dies zu tun, bevor die eventuell im Kot enthaltenen Wurmeier „reifen“ und ansteckend werden können. Dem Schutz der eigenen vier Wände vor einer Verunreinigung mit Wurmeiern dient außerdem ein gewisses Maß an Hygiene, z.B. Schuhe vor der Wohnung ausziehen bzw. säubern, Fußmatten regelmäßig gründlich reinigen, Hundekörbchen waschen usw. Ergänzend ist es natürlich ebenso wichtig, die Anzahl an Wurmeiern, die ein Hund ausscheidet, möglichst gering zu halten. Das einzige Mittel, dies zu überwachen bzw. zu erreichen, sind Kotuntersuchungen und/oder Behandlungen gegen Würmer (Entwurmungen). In welcher Form und wie oft diese stattfinden sollten, hängt von den individuellen Voraussetzungen des Hundes und dem Sicherheitsbedürfnis des Tierhalters ab. 

Welches Maß an Sicherheit habe ich?

Bei den Maßnahmen gegen Würmer muss jeder Hundehalter für sich selbst entscheiden, welches Maß an Sicherheit er haben möchte und welche Kompromisse er mit einem guten Gefühl eingehen kann. Der eine möchte, dass sein Vierbeiner garantiert keine Würmer hat oder Eier ausscheidet. Der andere kann mit der Möglichkeit eines kurzfristigen Befalls und der vorübergehenden Ausscheidung von Wurmeiern dagegen sehr gut leben. Für die eigene Entscheidung hier folgende Hintergrundfakten:


  • Eine Grundsicherheit erhält man in der Regel, mit Kotuntersuchungen bzw. Entwurmungen in einem Abstand von drei Monaten (4 x im Jahr). Studien haben gezeigt, dass 2-3malige Untersuchungen im Jahr nicht ausreichend sind, um ein grundlegendes Maß an Sicherheit zu bekommen.


  • Eine zuverlässige Möglichkeit mit der erreicht wird, dass ein Hund gar keine Spulwurmeier ausscheidet, ist, den Hund alle vier Wochen gegen Würmer zu behandeln. Der Grund: Steckt sich ein Hund mit Wurmeiern an, dauert es mindestens vier Wochen, bis diese in seinem Darm zu reifen Würmern herangewachsen sind und Eier produzieren. Diese Tatsache bedeutet aber nicht, dass alle Hunde grundsätzlich alle vier Wochen entwurmt werden müssen. Dies ist nur dann sinnvoll, wenn ein Hund ein sehr hohes Risiko hat, sich mit Würmern anzustecken bzw. wenn auf Seiten des Halters ein hundertprozentiger Hygienewunsch vorliegt oder das Tier mit immungeschwächten, stark ansteckungsgefährdeten Menschen im engen Kontakt lebt.


  • Auch eine monatliche Entwurmung kann nicht verhindern, dass sich der Hund infiziert. Sie garantiert lediglich, dass keine ausgewachsenen Würmer im Darm sitzen und Eier ausgeschieden werden. Der Grund: Eine Wurmkur wirkt rund 24 Stunden lang und tötet in dieser Zeit alle Würmer im Darm des Hundes. Bereits einen Tag nach der Wurmkur kann sich der Hund jedoch erneut anstecken. Es dauert dann allerdings vier bis fünf Wochen, bis Würmer im Darm herangewachsen sind, die Eier legen und den Hund gesundheitlich erheblich schädigen können.


  • Finden sich in einer Kotprobe Wurmeier, ist sicher, dass der Hund Würmer hat. Ist das Ergebnis der Untersuchung dagegen „negativ“, werden also keine Wurmeier gefunden, so kann dies Zufall sein und daran liegen, dass in dieser einzelnen Probe gerade keine Eier enthalten waren. Der Hund kann also trotz „negativem Untersuchungsergebnis“ Würmer haben. Die Genauigkeit und Sicherheit der Untersuchung lässt sich jedoch deutlich erhöhen, indem eine „Sammelprobe“ untersucht wird, die sich aus mehreren kleinen Kotproben von drei aufeinander folgenden Tagen zusammensetzt.
ESCCAP
ESCCAP

Nebenwirkungen: Pro & Kontra 

Natürlich hat ESCCAP Nutzen und Risiken für Tiere und Menschen sorgfältig gegeneinander abgewogen. Dies muss auch jeder Tierhalter für sich tun und für sich persönlich entscheiden, welches der für ihn richtige Weg ist. Wichtig ist dabei zu wissen, dass die oft als „böse Chemie“ verteufelten Wurmkuren einen großen Vorteil haben: Ihre Wirkstoffe sind so entwickelt worden, dass sie Würmer zwar abtöten, dabei aber grundsätzlich entweder gar nicht oder nur sehr wenig auf solche Strukturen wirken die im Organismus von Tier oder Mensch vorkommen. Insofern fügen auch regelmäßige Wurmkuren Hund und Katze keinen Schaden zu. Und sollte es in seltenen Ausnahmefällen dennoch einmal zu Nebenwirkungen kommen, so handelt es sich dabei meist um vorübergehende Erscheinungen. Dabei ähneln diese in der Regel den Symptomen von Magen-Darm-Verstimmungen, z. B. so wie sie auftreten, wenn ein Tier ein Futter nicht so gut verträgt oder im Freien etwas Verdorbenes gefressen hat.


Einzige Ausnahme: Bei einigen Hunderassen kann ein so genannter MDR1-Defekt vorliegen, der zu einer Überempfindlichkeit gegenüber manchen Arzneimitteln führt. Typischerweise betroffene Hunderassen sind Collie, Australian Shepherd, Border Collie, Bearded Collie, Langhaar-Whippet und weißer Schäferhund bzw. Mischlinge aus diesen Rassen. Liegt ein MDR1-Defekt vor, können auch bestimmte Wurmkuren zu ersthaften Problemen wie Krämpfen oder Kreislaufversagen führen. Ob bei einem Hund ein MDR1-Defekt vorliegt, kann durch die Untersuchung einer Blutprobe in einem Speziallabor ermittelt werden. Ansonsten sollte bei gefährdeten Hunderassen sicherheitshalber auf bestimmte Wurmkuren verzichtet und stets nur solche Präparate genutzt werden, die trotz MDR1-Defekt keine Probleme bereiten.


Unabhängig von diesen Ausnahmen, sollten sich Hundehalter jedoch verdeutlichen, dass sich Wurmkuren, anders als viele andere Medikamente, nicht im Organismus anreichern. Die Wirkstoffe sind in der Regel nur für ca. einen Tag im Darm des Hundes aktiv und kurz danach komplett ausgeschieden. Dies ist ein „überschaubares“ Risiko, wenn man dagegen stellt, dass die Gesundheit infizierter Hunde bei Verzicht auf eine Behandlung durchaus gefährdet ist. Wichtig ist zudem die Tatsache, dass es, anders als bei Viren und Bakterien, gegen Würmer keine Möglichkeit der Impfung gibt. Die Entwurmung ist also die einzige aktive Maßnahme zur Vorbeugung von Erkrankung. Es gibt also gute Gründe, die für gewissenhafte Kotuntersuchungen und den sachgerechten Einsatz von Wurmkuren sprechen.

 

Weitere Informationen sowie die häufigsten Fragen und Antworten rund um den Parasitenschutz finden Sie auf www.esccap.de.

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